
Wer in der jüngeren Zeit mit dem Radsport begonnen hat, wird beim Thema Bekleidung sicherlich nicht als erstes an die Marke Mavic denken. In den letzten Jahren ist es stiller um diesen Klassiker geworden. Als bekennender Straßenradsport-Fan mit Faible auch für dessen Geschichte hat es mich deshalb umso mehr gefreut, zwei Winterhosen der Traditionsfirma für euch testen zu dürfen: Die Thermo-Tight und die Thermo-Bib-Tight für Frauen aus der Modelllinie Mavic Essential. Hier erzähle ich euch von meinen Erfahrungen!
Was zeichnet die Mavic Essential Winter-Radhosen aus?
Der Modellname „Essential“ darf durchaus als Programm verstanden werden: Reduziert auf das Wesentliche. Wir haben es hier mit langen, innen angerauten und dadurch kuschelig-warmen Hosen zu tun, einmal in trägerloser Ausfertigung (Tight) und einmal mit Trägern (Bib-Tight). Auf windabweisende Elemente oder Verstärkungen an besonders exponierten Stellen wie Oberschenkel und Knien verzichten beiden Varianten.
Einsatzbereich
Die Tight wurde für trockene Tage konzipiert, deshalb kommt sie auch ohne wasserabweisende Behandlung aus. Die Bib-Tight ist im Unterschenkelbereich mit Membranen versehen, um vor Spritzwasser bei nasser Straße zu schützen. Außerdem ist sie überall DRW-imprägniert (für alle, die jetzt erschrecken: laut Herstellerangabe fluorfrei, also ohne giftige PFAS). Sie sollte somit Feuchtigkeit wie Nebel, Nieselregen oder kurze, leichte Schauer abperlen lassen, ohne deine Gesundheit zu gefährden. Der Stoff ist etwas dicker und fester als derjenige der Tight; meiner Meinung nach ist sie deshalb bei ruhigem Wetter auch für leichte Minusgrade geeignet. Der Komfort-Bereich der Tight dürfte bei einstelligen Plusgraden liegen.
Wie und wo Menschen frieren, ist natürlich letztlich sehr individuell. Ich würde mich als eher kältebeständig bezeichnen und trage beim Outdoor-Sport im Winter lieber eine Schicht weniger, da ich mich schnell warm arbeite. Dies nur als Selbsteinschätzung, damit ihr mit meinen Angaben auch etwas anfangen könnt.
Optik und Features
Aber weiter mit der Produkterkundung. Beide Hosen kommen mit dem markeneigenen Ergoessential 2-Density-Sitzpolster. Es besteht aus einem dicken Schaumstoffeinsatz, der nach Herstellerangabe aus zwei Lagen verschiedener Dichte hergestellt ist. In der Damen-Ausfertigung der Mavic Essential Tight und Bib-Tight ist es durch Breite und Form speziell an die weibliche Anatomie angepasst. Eingenäht ist er in ein sehr weiches Fleece.
Auch im Design ähneln sich die beiden „Essentials“ sehr. Sie sind in schlichtem Schwarz gehalten - mit dezentem reflektierenden Streifen an den Waden und unaufdringlichem dunkelgrauem Branding am Oberschenkel. Ein kleiner Hingucker ist das schmale, vertikal ausgerichtete Markenlogo am rechten Knöchelbund. Mit seinem leuchtenden Gelb weist es dich als Radsport-Connaisseurin aus, ohne damit hausieren zu gehen.
Apropos Knöchelbund: Für den rutschfesten Sitz sind beide Hosen hier mit einem Silikoneinsatz versehen, bei der Bib-Tight etwas breiter als bei der Tight. Dies sollte eigentlich bei hochwertigen Radhosen Standard sein. Aber unerwähnt lassen wollte ich es deshalb nicht.
„Klassiker“ darf man im Fall von Mavic übrigens wörtlich nehmen. Die Firma wurde 1889 in Frankreich gegründet und hat seitdem immer Fahrradteile und Zubehör hergestellt. Damit ist sie sogar noch sieben Jahre älter als das legendäre Kopfsteinpflasterrennen Paris-Roubaix. Wenn es diese Kategorie auch für Radsport-Marken gäbe, könnte man Mavic also mit Fug und Recht als „Monument“ bezeichnen.
Besonders berühmt wurde Mavic für Laufräder. Jahrzehntelang stellten sie auch den Service des Courses - also den neutralen mechanischen Support - bei der Tour de France und anderen großen Straßenrennen. Die gelben Fahrzeuge mit dem schwarzen Firmen-Schriftzug wurden ikonisch. Erst ab 2021 waren diese neutralen Materialwagen plötzlich blau und von Shimano. Der Grund: Mavic war in Schwierigkeiten geraten und musste zwischenzeitlich sogar Konkurs anmelden. Durch einen neuen französischen Investor konnte das Unternehmen jedoch gerettet werden. So kann man das auffällige gelbschwarze Logo bis heute an Fahrradkomponenten und Bekleidung entdecken.
Größe und Sitz
Eine Testfahrt beginnt mit der Anprobe. Die Tabelle des Herstellers bietet eine grobe Orientierung, allerdings fehlen Parameter wie etwa die Schrittlänge. Deshalb habe ich mich für euch erst einmal vermessen.
Die Tight passt mir mit einem Hüftumfang von 91 cm und einem Taillenumfang von 70 cm in Größe S. Bei einer Schrittlänge von 80 cm kam die Länge gut hin – kürzer hätte die Hose für mich allerdings nicht sein dürfen. Der Knöchelbund war mir beim Anziehen eher eng; sobald er richtig saß, passte er aber gut. Er schnitt weder ein noch rutschte er.
In der Taille ist die Hose sehr hoch geschnitten, so dass auch der untere Rücken noch etwas Wärme abbekommt. Der Hosenbund ist breit und bequem; bei mir gab es auch hier kein Einschneiden oder Rutschen. Ein kleiner Tipp aber noch an dieser Stelle: Achtet bei der Anprobe auch auf die Polsternaht an der Oberschenkel-Innenseite, vor allem wenn ihr – was unter Radlerinnen ja durchaus vorkommen soll – kräftige Oberschenkel habt. Bei mir saß die Naht in Größe S grenzwertig eng, was mir leider erst nach einer Weile aufgefallen ist ...
Die Bib-Tight ist, wie bereits erwähnt, aus etwas festerem Stoff gearbeitet, was ihr einen strafferen Sitz gibt. Deshalb und wegen der Polsternaht habe ich mich hier für Größe M entschieden. Mit der Länge war ich nun an der Obergrenze und die Hose saß eher locker, warf aber keine Falten. Ich würde also die Behauptung wagen, dass die Trägerhose etwas kleiner ausfällt als ihre trägerlose Schwester.
Das kuschelige Fleece ist über das gesamte Bauch- und Rückenteil hinaufgezogen. Nur an den Schultern sind Netzträger verarbeitet. Dass dir die Kälte unter die Jacke kriecht, ist also ausgeschlossen.
Als grobe Orientierung kannst du dir merken: Für sportliche Fahrten ist eine Trägerhose immer am besten geeignet. Der Grund: Die Träger geben der Hose bei häufigen Positions- und Rhythmuswechseln einen rutschfesteren Sitz und verhindern, dass sich irgendwo Falten bilden. Zudem haben sie den Vorteil, dass kein Hosenbund am Bauch zwicken kann, was insbesondere in gestreckter Rennhaltung kein Vergnügen ist.
Andererseits kann man natürlich auch argumentieren: Eine Tight, die am Bauch zwickt, passt eben nicht richtig (genauso wenig wie eine Bib-Tight, deren Träger an der Schulter einschneiden oder den Schritt zu weit nach oben ziehen). Bei richtigem Sitz reicht eine Tight (oder im Sommer eine Short) für ruhigere oder kürzere Fahrten völlig aus. Größter Vorteil: die unkomplizierte Pipipause. Weder musst du dich komplett ausziehen noch – wie bei den Pee-Friendly-Bibs für Frauen – Träger abclippen und wieder hinfuckeln.
Mavics Ergo Essential 2-Density Sitzpolster: Komfort, Komfort, Komfort
Kommen wir nun zum entscheidenden Feature jeder Radhose, dem Sitzpolster. Der für das 2-Density Sitzpolster verwendete Schaumstoff ist insgesamt eher fest, beim ersten Anprobieren fühlte es sich für mich fast etwas steif an. Auf dem Sattel wandelt sich dies jedoch in Komfort. Das Pad ist äußerst stabil und polstert den Sitzbereich optimal. Wer etwa empfindliche Sitzhöcker hat, sollte hier sehr auf seine Kosten kommen. Auch auf Schotter oder sonstigem unebenem Untergrund dürften Stöße sehr gut abgefangen werden.
Zum Intimbereich hin ist das Polster eher schmal gearbeitet, was für meinen Geschmack kein Nachteil ist. Bei mir fangen die Probleme meist dann an, wenn sich zu viel Material im Schritt knubbelt (ein Grund, warum ich insgesamt eher dünne Einsätze bevorzuge). Da der Schaumstoff so viel Volumen hat, war für mich auch die schmale Form schon grenzwertig. Aber so unterschiedlich wie unser restlicher Körperbau sind auch unsere empfindlichsten Stellen – es hilft letztlich nur: ausprobieren, womit du dich wohl fühlst.
Sehr gut gearbeitet finde ich die Polsterränder im Schritt. Das Fleece ist so weich und die Form so stabil, dass ich wirklich keinerlei Abdrücke etwa von Falten oder anderer Scheuerstellen hatte. Auch im Wiegetritt hat mich das Polster trotz des ersten Eindrucks von Steifheit nicht gestört. Großer Pluspunkt!
Meine Testfahrten

Aber unter welchen Bedingungen habe ich die Hosen nun getestet? Mit der Tight bin ich an einem ruhigen Novembertag bei sehr milden 14 Grad auf einer gemütlichen 50-Kilometer-Runde unterwegs gewesen. Die Bib-Tight konnte ich nach dem anschließenden Kälteeinbruch zu frostigen 70 Kilometern bei Minus 3 Grad ausführen. Die erste Fahrt hatte auch ein paar Höhenmeter, insbesondere eine schnelle Abfahrt gegen Ende. Die zweite Runde, für die ich mich einer kleinen Gruppe aus meinem Verein angeschlossen habe, wählten wir wegen der knackigen Temperaturen komplett flach.
Die Mavic Essential Thermo Tight
Ehrlich gesagt hätte ich es gleich wissen können. 14 Grad sind definitiv zu warm für diese Hose und ich habe gut darin geschwitzt. Als die Dämmerung begann und die Temperaturen heruntergingen, außerdem auch noch die Abfahrt anstand, fing das Frösteln an – wie das eben unvermeidlich ist, wenn man einmal nass ist.
Ansonsten trug sich die Hose tadellos. Die angeraute Innenseite fühlt sich wirklich kuschelig weich an; der Stoff ist flexibel und anschmiegsam wie bei einer Leggins. Für Fahrten bei ruhigem Herbstwetter oder auch für sonnige Wintertage mit einstelligen Plusgraden kann ich mir die Mavic Essential Thermo-Thight bestens vorstellen. Alles, was darüber liegt: lieber bei Sommerhose und Beinlingen bleiben ...
Raureiffahrt mit der Mavic Essential Thermo Bib-Tight
Und darunter? Am besten auf die Bib-Tight umsteigen! Sie habe ich wirklich an ihre Grenzen gebracht, und sie hat sich bravourös geschlagen.
Es war ein kalter Tag. Richtig kalt. Wann es im November das letzte Mal so kalt war, kann ich beim besten Willen nicht sagen. In den Uferbuchten am Main hatte sich schon Eis gebildet und wo nicht gerade den ganzen Tag die Sonne hingeschienen hatte, hing dicker Raureif. Es war auch nicht komplett windstill. Zur zweiten Hälfte der Tour zog es sich zu und der Wind pfiff phasenweise ordentlich.
Aber obwohl sie keine Windstopper-Elemente oder sonstige Verstärkungen hat, kam die Mavic Essential Thermo Bib-Tight für meine Bedürfnisse mit diesen Bedingungen erstaunlich gut zurecht. Der Stoff ist dicht genug, um die gröbste Kälte abzuhalten. Im Vergleich mit der Tight ist die Hose dadurch zwar etwas steifer, aber sie ist weit, wirklich weit davon entfernt, die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Das Futter ist flauschig warm und angenehm auf der Haut.
Mit diesert Hose werde ich den Winter über sicherlich viel Freude haben. Zumindest, wenn es noch einmal ähnlich kalt wird!
Fazit und Vergleich
Es muss nicht immer High-Tech sein, manchmal reicht auch schon „Essential“. Mit den Thermo-Hosen von Mavic bekommt ihr zwei solide Begleiter durch die kalte Jahreszeit und außerdem einen Hauch von Tour de France. Wenn ihr mich fragt: Super Deal!
| Thermo Tight | Thermo Bib-Tight | |
| Link im Shop | ||
| Einsatzbereich |
Straße und Gravel bei trockenen Bedingungen |
Straße und Gravel bei trockenen Bedingungen, Nebel und leichten Schauern (wasserabweisend) |
| Geschätzter Temperaturbereich | einstellige Plusgrade | einstellige Plus- und leichte Minusgrade |
| Polster | fest, formstabil, in sehr weiches Fleece eingenäht; sollte auch bei längeren Fahrten und auf Schotter für bleibenden Komfort sorgen | mit Thermo Tight identisch |
| Größe | fällt normal aus | da der Stoff fester ist, fällt sie etwas kleiner aus als die Tight (wenn ihr zwischen zwei Größen seid, lieber die größere nehmen) |
| Mein Take | Perfekt für die Genussfahrt bei ruhigem Herbst- und Winterwetter. Kuschelig warm, anschmiegsam und bequem wie eine Leggins. |
Wärmt ohne einzuengen und meistert auch -3 Grad mit Bravour. Klare Empfehlung für den Outdoor-Trainingsalltag im Winter! |

